

Der Faltenbalg – eine Idee, die alles veränderte
1951 fertigt HÜBNER die ersten Faltenbälge und Gummiwülste für die Deutsche Bundesbahn – der Beginn einer starken Partnerschaft, die 75 Jahre später noch immer besteht. Und mit ihr 70 Jahre HÜBNER-Übergangssysteme, die Waggons auf der ganzen Welt verbinden. Obwohl die viele Reisende nur hindurchgehen, ohne sie zu beachten, sind sie unverzichtbar für jeden Zug.
Robust und langlebig
Die Anfänge der Faltenbalg-Entwicklung reichen bis in die 1950er Jahre: Die ersten Modelle bestehen aus Leinen – ein Material, das der Kälte nicht standhält. HÜBNER setzt schließlich auf gummiertes Gewebe und Aluminium-Rahmen – robuster, langlebiger, geeignet für verschiedene äußere Bedingungen. Mit dem Hochgeschwindigkeitsverkehr beginnt dann ein neues Kapitel. Zwischen den Waggons entstehen andere Bewegungen, andere Kräfte, andere Anforderungen.

Wellenbalg als Lösung für High-Speed-Züge
Thomas Linke ist mit der Geschichte dieser Entwicklung vertraut wie nur wenige andere. Als langjähriger Senior Industrial Engineer kennt er die Materie von der ersten Holzschablone über die Bewegungsprüfungen bis zur Serienfreigabe – und weiß, was es braucht, wenn ein System an seine Grenzen stößt: „Der Wellenbalg musste praktisch erfunden werden. Er musste die Bewegung mitmachen, stabil sein, druckdicht sein. Das war ein echtes Highlight.“
Genau darin liegt bis heute ein Teil des HÜBNER-Selbstverständnisses: Lösungen zu entwickeln, wo andere an ihre Grenzen stoßen. Mit dem ersten konturangepassten Wellenbalg für den ICE 1 entstand so eine Lösung, die das Bild deutscher Hochgeschwindigkeitszüge bis heute mitprägt – und zugleich die enge Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesbahn, später Deutsche Bahn.


Vom Lieferanten zum Entwicklungspartner
Dennis Böhm, Regional Sales Manager u.a. verantwortlich für die Deutsche Bahn bei HÜBNER, begleitet diese Zusammenarbeit seit vielen Jahren. Für ihn liegt das Besondere in ihrer Kontinuität, im gegenseitigen Vertrauen und im gemeinsamen Qualitätsanspruch. Gerade in schwierigen Marktphasen hat sich immer wieder gezeigt, wie belastbar die Partnerschaft ist.
Der Austausch bleibt eng, der Blick auf die Lösung gerichtet: „Was klassisch als Lieferantenbeziehung begann, ist kontinuierlich zu einer engen strategischen Kooperation weiterentwickelt worden. Wir begleiten die Deutsche Bahn nicht nur als Komponentenlieferant, sondern zunehmend als Entwicklungspartner.“ Gewachsen ist das auf dem, was HÜBNER seit rund sieben Jahrzehnten als Partner einbringt: Engineering-Kompetenz vor Ort in Deutschland, kurze Wege und der Anspruch, ganzheitliche Systeme zu liefern – und dabei Verantwortung zu übernehmen.

Ein Moment, der bleibt: 500 erneuerte ICE 3-Übergänge
Auf die Frage nach einem besonderen Meilenstein zögert Dennis Böhm nicht lange. Ein prägender Moment ist für ihn die Entwicklung der Übergänge für den ICE 1 ab 1989 – bis heute im Einsatz, inzwischen mehrfach generalüberholt. Noch greifbarer ist aber ein Projekt aus jüngerer Zeit: Zwischen 2016 und 2024 erneuerte HÜBNER am Standort Kassel 500 Übergangssysteme für den ICE 3. Das 500. Exemplar erhielt eine Plakette: „Dieser Meilenstein, den wir über Jahre begleitet haben, fährt auch heute noch durch Deutschland.“

75 Jahre und kein bisschen Stillstand
In 75 Jahren hat sich vieles verändert. Aus handwerklicher Fertigung ist ein international vernetzter Fertigungsverbund mit Werken in Ungarn, China, Indien, Brasilien, USA und auch Südafrika geworden. Wie dieser Wandel konkret aussah, zeigt für Thomas Linke der Aufbau des Standorts in Shanghai im Jahr 2003 – begonnen unter provisorischen Bedingungen – mit vier Containern, vier Mitarbeitern und viel Improvisation. Dass einige der ersten chinesischen Mitarbeiter über 20 Jahre später noch dabei sind, macht bis heute greifbar, was Internationalisierung bei HÜBNER bedeutet – nicht nur Wachstum, sondern langfristige, vielfältige Zusammenarbeit.
Aus ersten Anfängen wird große Vielfalt
Aus den ersten Faltenbälgen ist über die Jahrzehnte ebenfalls eine erstaunliche Vielfalt entstanden: aerodynamisch optimierte Fairings für Hochgeschwindigkeitszüge, hochspezialisierte Übergänge für ganz unterschiedliche Fahrzeugtypen – wie auch Lösungen für den Eurotunnel zwischen Frankreich und Großbritannien, die größten Eisenbahn-Übergange der Welt.
Und trotz aller Veränderung sind manche Dinge geblieben, weil sie sich bewährt haben. So ist die Fertigung heute zwar digitaler und vernetzter als je zuvor – aber nicht in jedem Schritt automatisierbar. Genau darin zeigt sich bis heute, wie viel Erfahrung, Präzision und Handarbeit in jedem einzelnen Übergangssystem steckt.

Der Blick nach vorn: Neue Anforderungen, bewährte Haltung
Auch nach mehr als sieben Jahrzehnten ist die Entwicklung nicht abgeschlossen. Neue Materialien, strengere Anforderungen zum Beispiel beim Brandschutz, wachsende Ansprüche an Komfort, Sicherheit und Aerodynamik – all das verändert die Arbeit kontinuierlich.
Dennis Böhm blickt optimistisch nach vorn: „Die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte zeigt, wie viel möglich ist, wenn Vertrauen, Qualität und enge Zusammenarbeit zusammenkommen.“ Auch Thomas Linke richtet den Blick in die Zukunft. Sein Wunsch ist einfach formuliert: Herausforderungen weiter lösen, Kunden zufriedenstellen – und immer wieder Produkte entwickeln, die dem Wettbewerb voraus sind.
Weitere Meilensteine der HÜBNER-Geschichte
Im Laufe des Jubiläumsjahres erfahren Sie in den HÜBNER-Meilensteinen mehr über die Ursprünge unserer Produkte und Höhepunkte der Unternehmensgeschichte.


