

„1,60 Meter Bus“ – ein System in neuem Licht
1,60 Meter, die die Welt bewegen – seit Jahrzehnten entwickelt HÜBNER Übergangssysteme für Gelenkbusse, die täglich Millionen von Fahrgästen weltweit nutzen. Was 1952 in Kassel mit einem Faltenbalg für den ersten Gelenk-Omnibus der Firma Henschel begann, ist heute ein eigenständiger Produktbereich von internationaler Bedeutung: Robust, präzise und aus dem modernen Alltag nicht mehr wegzudenken.
Natürliches Licht für das System
"1,60 Meter Bus“ ist das einbaufertige Komplettsystem von HÜBNER, das den vorderen und hinteren Abschnitt eines Gelenkbusses miteinander verbindet – inklusive Gelenksystem, Faltenbalg, Energieführung und Gelenksteuerung. Neben der technischen Umsetzung rückt dabei vermehrt auch der Fahrgast-Komfort in den Fokus.
Zumeist gehörte der Übergangsbereich zwischen den Wagenabschnitten nicht zu den bevorzugten Aufenthaltsorten im Bus. Genau das wollte HÜBNER ändern. Andreas Stache, Team-Leiter Konstruktion & Entwicklung Bus-Faltenbälge in Kassel, erinnert sich an die Ausgangssituation: „Für viele Fahrgäste war dieser Bereich immer sehr dunkel – je nach Deckenhöhe wirkte das ein bisschen bedrückend. Daraus hat sich für uns die Anforderung ergeben, dort mehr Helligkeit hineinzubringen.“

Präzision im Verbund: HÜBNER und PTO
Vor 40 Jahren brachte HÜBNER erstmals einen lichtdurchlässigen, transluzenten Faltenbalg auf den Markt, der mehr Licht im Übergang ermöglicht. Heute entstehen diese besonderen Stoffe in enger Zusammenarbeit mit dem Beschichtungs-Spezialisten PTO PolymerTechnik Ortrand aus Brandenburg, einem Verbundunternehmen der HÜBNER-Gruppe. Stefan Hanisch, Head of Key Account Management Rail & Road bei PTO, erklärt: „Die Entwicklung von Balgstoffen ist immer eine Teamleistung. Die Kolleginnen und Kollegen aus dem Vertrieb bringen die Ideen vom Kunden mit, die wir dann gemeinsam mit der Konstruktion Straße und den F&E-Abteilungen in Kassel und Ortrand bewerten. So entwickeln wir etwas, das wir am Markt nach Kundenwunsch platzieren können.“
Was so selbstverständlich klingt, ist hochanspruchsvoll. Stefan Hanisch bringt es auf den Punkt: „Dieser Stoff ist in der Herstellung sehr herausfordernd. Das Produkt hat ein sehr enges Toleranzfenster zum Beispiel bei der Dicke – es ist auf Genauigkeit, Sauberkeit und Qualität zu achten.“ Nur wenn dieser enge Toleranz-Bereich eingehalten wird, passt der beschichtete Stoff präzise in das Aluminiumprofil des Balgrahmens.

Ein Werkstoff, der mehr leistet
Der transluzente Faltenbalg-Stoff basiert heute auf Silikon statt PVC, ist per se halogenfrei und kommt ohne halogenierte Flammschutzmittel aus. „Die Transluzenz sorgt dafür, dass Licht in den Übergangsbereich hineinkommen kann und den Fahrgästen dort ein angenehmes, behagliches Gefühl vermittelt“, erklärt Stefan Hanisch.
Das Produkt überwindet dabei bekannte Probleme: Rissanfälligkeit und mangelnder UV-Schutz gehören der Vergangenheit an, statt eines dunklen Tunnels entsteht ein heller, einladender Durchgang. Tim Dortans, Vice President Global Sales Mobility Road der HÜBNER-Gruppe, erkennt darin eine besondere Stärke: „Der transluzente Faltenbalg zeigt, wie wir bei HÜBNER arbeiten: Wir hören genau hin, was Kunden brauchen – und bringen dann Lösungen, die technisch überzeugen und das Fahrgasterlebnis verbessern.“

Kein Balg wie der andere
Auch in der Fertigung stellt der transluzente Stoff besondere Anforderungen: Die Nahtausreißkräfte sind geringer als bei Standardmaterialien, die Werker müssen mit anderem Gespür und längeren Nahtsäumen arbeiten. „Der Faltenbalg-Aufbau ist nach wie vor sehr viel Handarbeit – Sicken, Hämmern, Kleben. Der Werker braucht das Gefühl dafür, wie viel Spannung auf den Stoff gebracht werden kann – und muss“, sagt Andreas Stache.
Das gilt für jeden einzelnen Faltenbalg – denn kein Gelenkbus ist wie der andere. Jeder Hersteller bringt eigene Konturen mit, auf die das System exakt angepasst wird. 1,60 Meter Bus ist kein Standard von der Stange, sondern ein System, das sich exakt in das jeweilige Fahrzeug einfügt.
Vom Handwerk zur High-Tech-Fertigung
Gleichzeitig hat sich die Produktion über die Jahrzehnte grundlegend weiterentwickelt. Andreas Stache, der diesen Prozess selbst seit rund 25 Jahren bei HÜBNER begleitet, beschreibt den Wandel so: „Unser Werk in Nyíregyháza, Ungarn kann mittlerweile Zwölfer-Pakete – also alle Rahmen eines gesamten Balges gleichzeitig biegen. Das erhöht die Genauigkeit der Biege-Ergebnisse erheblich.“ Schablonen, früher komplett von Hand gezeichnet, entstehen seit 2018 digital und werden auf einer Fräse gefertigt – präzise, reproduzierbar und für alle Werke weltweit nutzbar.
Langfristig denken, gemeinsam wachsen
Für Andreas Stache hat diese Arbeit außerdem eine Dimension, die über Material und Fertigung hinausgeht: „Ich freue mich immer wieder, wenn ich irgendwo auf der Welt einen Gelenkbus sehe und denke: Der Übergang ist auch von uns. Für eine Firma unserer Größe ist diese weltweite Präsenz etwas ganz Besonderes.“ Dass solche Entwicklungen möglich werden, hängt für ihn auch mit HÜBNER als Arbeitgeber zusammen – mit langfristigem Denken, gewachsenen Teams und persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten: „Die Möglichkeiten, die HÜBNER seinen Mitarbeitern bietet – das ist etwas, das die Firma wirklich von anderen abhebt."

Heller, leichter, nachhaltiger
Neben Transluzenz wächst das Interesse an neuen Design-Varianten – geprägte Oberflächen wie zum Beispiel der „Carbon-Look“ und farbige Bälge. Parallel arbeiten PTO und HÜBNER an transluzenten Stoffen auf Ecoflex-Basis: halogenfrei, leichter, mit noch besseren Eigenschaften. Für Stefan Hanisch ist klar: „In Zukunft werden sicherlich Nachhaltigkeit, Gewichtsreduktion sowie Innovation in Richtung Design verbunden mit hohen qualitativen Anforderungen eine zentrale Rolle spielen.“
Und vielleicht leuchten künftige Stoffe eines Tages ganz von selbst: „Der Stoff wäre dann gar nicht mehr unbedingt transluzent im eigentlichen Sinne, aber die Licht-Einbringung könnte über die gesamte Stofffläche realisiert werden“, erklärt Andreas Stache. Mehr als sieben Jahrzehnte nach dem ersten Faltenbalg ist der 1,60 Meter Bus noch immer ein Ort der Entwicklung.

Weitere Meilensteine der HÜBNER-Geschichte
Im Laufe des Jubiläumsjahres erfahren Sie in den HÜBNER-Meilensteinen mehr über die Ursprünge unserer Produkte und Höhepunkte der Unternehmensgeschichte.


